|
|||||
| Trotz vieler Kriege ein Kleinod | |||||
|
Landsberg mauserte sich von einer kleinen Lechsiedlung zur schmucken Kleinstadt
Landsberg hat eine lange und bewegte Geschichte vorzuweisen. Funde beweisen, dass es bereits 1700 v. Chr. eine erste Besiedelung im heutigen Stadtgebiet gab. Die Siedlung wuchs und bekam unter Heinrich dem Löwen 1158 erste Anzeichen ihres markanten Gesichtes, das sie heute prägt, die "Landespurch" auf dem Schlossberg, die zum Schutze diente. Eine Brücke über den Lech lies er ebenfalls erbauen, um die Infrastruktur für den zu verbessern. 1280 gab es die erste urkundliche Erwähnung von Landsberg als Stadt. Bald holten die Siedlung kaiserliche Querelen ein. Nach dem Tod Kaiser Heinrichs VII. des Luxemburgers im Jahr 1313 glaubte Friedrich, als Enkel des großen Kaisers Rudolf von Habsburg, sich für die Kaiserwürde berufen. Die Mehrzahl der Churfürsten entschied sich aber bei der Königswahl für Ludwig den Bayern, einem Vetter Friedrichs. Ludwig nahm, entgegen seinem Versprechen, die Wahl an. Aber auch Friedrich erachtete sich als gewählter König. Beide ließen sich die Krone aufsetzen. Es kam zu einem fürchterlichen Erbfolgekrieg dem auch Landsberg zum Opfer fiel. Die Stadt brannte bis auf die Grundmauern nieder. Nach dem Sieg Ludwigs gegen die Österreicher nahm er auch seinen Vetter und Erzrivalen um die Königskrone, den Habsburger Friedrich, gefangen. Zur Entschädigung bekamen die Lechstädter das Recht der Steuereinnahmen. Dies war der Grundstock zur Blütezeit im späten Mittelalter. Geschichtliche Bedeutung, die über die Region hinaus reicht, bekam Landsberg mit der Gründung des Landsberger-Bundes 1566. Zu dieser Zeit waren die deutschen Fürstentümer, Herzogtümer Teil des Deutschen Reiches. Das Reich hatte aber viel von seinem Einfluß verloren und genug damit zu tun, seine südlichen Grenzen gegen die Türken zu verteidigen, so dass sich die Fürsten nicht selten gegenseitig überfielen, ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen. In dieser Situation lud König Ferdinand II. für den 1. Juni 1556 Herzog Bischof Michael von Salzburg und Vertreter des Magisterats der Reichstadt Augsburg in die Bayerische Grenzstadt Landberg ein. Die Fürsten mit ihrem Gefolge und die Augsburger kamen nach Landsberg, um hier ein Defensivbündnis zwischen katholischen wie auch protestantischen Herrschern zu schließen. Der Zweck war gegenseitiger Schutz der Mitglieder in Kriegen und damit Sicherung des Landfriedens. Die Einhaltung des Religionsfriedens war neben der Beistandsplicht im Kriegsfall mit 200 Mann zu Pferd und 800 zu Fuß, der wichtigste Artikel des Bündnisses. Als Grundstock für den Landsberger Bund hatte jedes Mitglied 10000 Gulden bezahlt. Auch wenn das Bündnis während seines Bestehens nie militärisch in einen Konflikt eingriff, so ermöglichte es dem Fürstbischof die Gegenreformation durchzuführen, ohne dass protestantische Fürsten militärisch zu intervenieren wagten. Mit dem Austritt zahlreicher finanzstarker Städte, wie das Bistum Würzburg, begann die Gemeinschaft zu bröckeln. Die Zuspitzung im Konflikt zwischen den beiden großen konfessionellen Lagern bedeutete am 4. März 1599 das Ende des Landsberger Bundes durch den neuen Herzog Maximilian. Die Konfessionen gründeten 1608 die "Protestantische Union" und ein Jahr später die "Katholische Liga". Die Initiative der Ligagründung ging dabei wieder vom bayerischen Herzog aus. Auch wenn der Landsberger-Bund keine großen Taten verbrachte, so vermochte er doch den Schrecken des 30-jährigen Krieges um zwei Jahrzehnte hinauszuzögern. Der Krieg war es, der das ganze Land in eine dunkle Epoche voll menschlichem Elend, Grausamkeit und fürchterlicher Zerstörung riß. Vor allem der schwedische General Torstenson stürzte Landsberg 1633 in Armut und Not. Er forderte von den Landsbergern die Übergabe ihrer Stadt, so wie es alle Städte der Region zuvor auch getan hatten.›Sollten sich die Ratsherren weigern, würden die wilden Burschen aus dem hohen Norden die Stadt mit ihren Waffen und roher Gewalt überziehen. Angesichts der schwedischen Übermacht beschlossen die Bürgermeister und der Innere Rat sich zu ergeben. Doch die Schweden warteten die Kapitulation nicht ab und fielen in die Stadt ein. Sie raubten, plünderten und nahmen sich alles. Nach dem die Armee abzog, ging das Unglück nahtlos weiter. 1634 wütete die Pest in den Gassen. Es starb jeder sechste Landsberger. Die Landsberger hatten schon damals eine Kämpfernatur. Nach den Kriegswirren und dem Kampf gegen den schwarzen Tod wurde der Handel wieder aufgenommen und florierte besser denn je. Dieser brachte so viel Geld in die Stadt, dass man sich den Schöngeistigen Dingen zu wandte und für Gebäude wie das historische Rathaus Geld ausgab. 1699 hat der bekannte Architekt, Altarbauer und Stuckateur Doinikus Zimmermann das ehemalige Salzfaktoreigebäude um gebaut und die aufwendige Fassade stuckiert, die noch heute Anziehungspunkt für viele Touristen ist. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts war Landsberg von Neuerungen und Fortschritt geprägt. Eine besondere Bedeutung fiel auf die 1905 erbaute Justiz Vollzugsanstalt. Dort wurde ab 1920 die "Festungshaft" vollzogen. Dies ist eine nicht entehren de Strafe ohne Arbeitszwang. Festungshaft ersetzte sowohl Zuchthaus als auch Gefängnis und wurde wahlweise mit diesen beiden Strafen bei einer Reihe politischer Straftaten verhängt. Ein prominenter Häftling war Adolf Hitler. Er wurde nach dem Hitlerputsch zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt und am 11. November 1923 in den "Festungsbau" eingeliefert. Hitler schrieb während der Haft den ersten Teil seines Buches "Mein Kampf". Gleichzeitig verbüßten weitere frühe NS-Mitglieder hier ihre Haftstrafen. Während der dunklen Epoche nach Hitlers Machtergreifung 1933 wurde die JVA für die Arbeit der Hitlerjugend genutzt. Nach dem Krieg richtete man dort die in den "Dachauer Prozessen" verurteilten Kriegsverbrecher hin. Im Lauf des Jahres 1946 übernahmen die Amerikaner den gesamten Gefängniskomplex. Erst 1956 wurde Landsberg wieder Garnison und entwickelte sich mit seinen 6000 Soldaten zu einem der größten Bundeswehrstandorte. Seit Mitte der 70er trieb man vor allem die Ansiedelung von Gewerbe und Industrie am Lech voran, die der Stadt wichtige Steuergelder einbrachten. Es folgte die Eröffnung kultureller Einrichtungen wie das Sport-, Jugend- und Erholungszentrum 1978 sowie die städtische Eishalle 1980. Damit jedoch auch die bewegte Geschichte der Stadt lebendig bleibt, legte man viel Wert auf die Erhaltung von historischem Gut. So sanierte man im großen Stil das von Dominikus Zimmermann stuckierte Rathaus und machte es 1991 wieder der Öffentlichkeit zugänglich. Ach das Lechwehr konnte nach zweijähriger Renovierung vor sieben Jahren wieder eingeweiht werden. Erschienen Juli 2003 in der Sonderbeilage des Landsberger Tagblattes "Historisches Ruehthenfest" |
|||||