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| Der Wald zeigt, ob die Jagd stimmt | |||||
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Bei Forstbegehung Aufklärung über Wildverbiss
Bad Wörishofen. Sie sind Waldbesitzer und sie sind richtig sauer. Der Grund: In ihren Wäldern herrscht zu großen Teilen starker Wildverbiss, der das Wachstum junger Bäume um Jahre zurückwirft und das kostet die Waldbauern richtig Geld. Deshalb kamen sie zur Forstbegehung, um über das Thema Wildverbiss und seine Folgen aufzuklären. Forstdirektor Gerhard Limmer erläuterte bei der Tour durch den Wald, was konkret unter Wildverbiss zu verstehen ist: "Wildverbiss entsteht durch Rehwild, welches die jungen Pflanzenkeime abfrisst. Geschieht dies bei Jungbäumen an der Krone, spaltet sich diese und es entsteht ein Zwiesel. Die Bäume wachsen also zweistammig weiter. Dies führt zu einer höheren Pilzanfälligkeit und somit zu schlechterer Holzqualität. Außerdem sind diese Bäume bei Sturm gefährdeter umzustürzen." Fressen die Rehe die übrigen Triebe ab, kann der Baum nicht normal wachsen. Der besichtigte Privatwald von Anton Kugler bot hierfür ein abschreckendes Beispiel. Die gepflanzten Jungfichten, bereits fünf und mehr Jahre alt, erinnerten an kleine, gestutzte Bonsaibäumchen, die nicht höher als 60 Zentimeter waren. In der Regel sind die Fichten in dem Alter 1,80 Meter und größer. Um das zu vermeiden, haben viele Waldbauern ihre jungen Baumbestände eingezäunt. Eine kostenintensive und aufwändige Alternative, die den Waldbesitzer jährlich bis zu 8000 Euro pro Hektar kostet. "Mich hat der Wildverbiss auf diesem Stück Wald, das kleiner als ein Hektar ist, bisher 5000 Euro gekostet", klagt Anton Kugler. Verantwortungsvolles Jagen Durch verantwortliches Jagen kann, nach Aussage von Gerhard Limmer, der schlimme Wildschaden eingedämmt werden. Doch hier liegt das Hauptproblem. Die Wälder sind meistens an Jäger verpachtet, die dafür je Hektar rund sechs Euro im Jahr zahlen. Sie alle jagen in ihrer Freizeit und haben oft nicht die nötige Zeit um die Abschusspläne, die besagen, wie viel Stück in dem entsprechenden Wald geschossen werden müssen, zu erfüllen. Der stellvertretende Vorsitzende Pius Kirner vom Bayerischen Jäger- und Jagdschutzverband Mindelheim gab zu bedenken, dass es auch andere Faktoren gäbe, welche die Jungpflanzen am Wachstum hinderten. Heftige Diskussionen "Ein Hagelschaden kann ebenfalls diese Zwieselbildung verursachen. Auch falsches Handhaben beim Fällen der Bäume, welche beim Herausziehen aus dem Wald die Jungpflanzen beschädigen, kann ein Grund sein. ". Außerdem fügte er hinzu: "Studien haben bewiesen, einige Jahre später unterscheiden sich die vom Wildverbiss befallenen Bäume nicht mehr von den anderen." Diese Aussagen führten zu heftigen Diskussionen der 25 Exkursionsteilnehmer. Auch Gerhard Limmer, Leiter des Forstamtes Mindelheim, widersprach vehement. "Der Wuchs wird nicht aufgeholt, es fehlen bis zu zehn Jahre, die den Waldbauern Geld kosten". Eine Fichte muss bis zu 110 Jahren wachsen, ehe sie als gutes Nutzholz geschlagen werden kann. Neben dem wirtschaftlichen Schaden entsteht ein ökologischer. Der in unserern Breiten vorherrschende Fichtenwald soll durch das gezielte Pflanzen von Laubbäumen (Buche, Ahorn, Esche und Eiche) verjüngt werden und sich von der Monokultur hin zum ausgewogenen Mischwald entwickeln. So lange der Wildverbiss nicht eingedämmt wird, lässt der Erfolg auf sich warten. Limmer und Kirner waren sich einig, dass dies nur im Dialog zwischen Forstamt und Jagdgenossenschaft und der gemeinsamen Problemlösung funktionieren kann. Erschienen April 2003 Mindelheimer Zeitung |
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