Alle Jahre wieder...
Kennen Sie das? Mit einem Blick auf den Kalender erkennt man, Weihnachten ist in zwei Wochen und noch keine Geschenke gekauft. Dabei ist der 24. Dezember als Termin ja nicht ganz neu und jedes Jahr zur selben Zeit. Doch so sicher wie Heiligabend auf den 24. fällt, ist ändert sich auch der jährliche Vorsatz nicht, der da lautet: Heuer kümmere ich mich rechtzeitig um die Geschenke und entgehe dem Einkaufschaos. Wenn ich ohnehin einkaufen gehe, sehe ich vielleicht gleich auch eine schöne Rheuma-Unterwäsche für Tante Hedwig oder ein Computerspiel für Neffen Kevin. Was wäre das schön, wenn man diese Vorsätze beherzigt.

Wie einem so auffällt, dass man jedes Jahr wieder am Weihnachtsmorgen in der langen Schlange in der Spielwaren-Abteilung steht und plötzlich der Geistesblitz kommt: Im Kühlschrank herrscht gähnende Leere, obwohl sich doch die Schwiegereltern am zweiten Feiertag zum Kaffee angemeldet haben, präsentiert sich noch jemand anderes: Die anderen nicht eingehaltenen Vorsätze des Jahres.

Da war der Ikebana-Kurs, den man im Januar für teueres Geld gebucht hat. Drei mal ist man hin, fand es toll, war begeistert und stolz, endlich auch etwas für sich zu tun. Dann war die Kleine krank, wichtige Projekte in der Arbeit waren nicht verschiebbar und eine Freundin kam am Kursabend spontan zu Besuch. Und dann? Ja, dann hatte man drei Abende verpasst und jetzt noch mal hinzugehen lohnt sich nicht mehr. Oje, und wie war das mit dem Entrümpeln des Dachbodens? Inzwischen ist er so zu gestellt, dass auf den Keller ausgewichen werden muss.

Der Vorsatz des letzten Silvesters, endlich überflüssige Pfunde los werden, das Rauchen aufhören, regelmäßig Sport zu treiben und was für die eigen Bildung zu tun, der war schon beim Familien-Essen an Heilig Drei Könige vergessen. Wenn man einmal gesündigt hat, ist es sowieso schon egal. Was war nur passiert? Richtig, der innere Schweinehund hat einen triumphalen Sieg errungen, den man nun mit Hüftgold und Weihnachtsstress büßen muss. Doch lieber Schweinehund, nicht mit mir! Dir werde ich ein Schnippchen schlagen. Für 2004 fasse ich keine Vorsätze und die Weihnachtsgeschenke für das nächste Jahr, die besorge ich heuer gleich mit, dann hat sich das viele Anstehen im Kaufhaus wenigstens gelohnt.

Erschienen Dezember 2003 in der Mindelheimer Zeitung