Fisch sucht Fahrrad
Ich bin Single. Ja, richtig gelesen: SINGLE und als solcher an manchen Tagen froh darüber, an anderen nicht. Nun häuften sich leider in letzter Zeit die nichtfrohen Tage, so dass ich mir die Frage stellte, ob sich dieser Zustand nicht beheben ließe. Also auf in den Kampf: Haare onduliert, Beine gemäht, Zähne gebleicht, Fingernägel nageln lassen, drei Monate diätet, ganze Monatsgehälter für den neuen Trend ausgegeben und die nette Damen vom Beautysalon als beste Freundinnen gewonnen. Nach all den Liebesmühen saß ich wochenlang daheim und wartete, dass Prinz Charming endlich an der Türe klingelt. Geklingelt wurde auch - leider entsprachen aber Postbote, Pizza-Chinese, Zeuge Jehovas und der Hausmeister nicht ganz meinen Vorstellungen vom Traumprinzen.

Was also ist zu tun? Die Tipps meiner Freunde waren vielfältig: "Geh auf ,Fisch-sucht-Fahrrad-Partys`, die Männer da sind immer ziemlich verzweifelt." "Mein Bruder hatte noch nie eine Freundin. Magst du 40-Jährige, die bei Mutti wohnen?" Ich fackel nicht lange und probiere alles aus - bis auf den 40-jährigen Ewig-Single. Den hebe ich mir für schlechtere Zeiten auf. Ich gehe auf Partys, trainiere täglich im Fitnessstudio, inseriere online und arbeite an meinen Ansprüchen. Ein paar Exemplare der Gattung Mann erklären sich darauf bereit, das Abenteuer Rendesvouz mit mir bestreiten zu wollen.

Wer denkt, die elende Geschichte hätte nun ein glückliches Ende gefunden, der irrt sehr. Denn: Der erste Schritt ist nichts im Vergleich zu dem, was danach alles kommt. Man trifft sich irgendwo zu zweit. Dann geht's zum Sushi-Essen oder in die lauschige Pizzeria. Zwischen Salat und Dessert wird das bindungswillige Gegenüber auf Herz und Nieren, respektive Bausparvertrag, seine Ansichten übers Fremdgehen und den Kinderwunsch überprüft.

Irgendwann bemerkt man, es wird bei jedem Treffen das Gleiche erzählt, die selben Scherze gemacht und Schwächen verschwiegen. Kurz: Man gibt sich alle Mühe möglichst charmant, witzig, intelligent und sexy zu wirken.

Wie viel Zeit und Ärger könnte ich mir sparen, indem ich das Handbuch "Alles Wissenswerte über Elisabeth Fröhlich" schreiben würde und es dem Blinde-Date vorher zukommen ließe. Will er dann immer noch mit mir weggehen, stehen die Chancen gut, dass ich mich nicht wieder um Kopf und Kragen rede. Falls es schief geht, hat die Angelegenheit immer noch den Vorteil: Das Buch wird in Millionenauflage gedruckt und erscheint auf der Bestsellerliste gleich nach dem Titel von Boris Becker "Augenblick, verweile doch...".

Erschienen Januar 2004 in der Unterallgäu Rundschau