Er macht Grundsätzliches etwas anders
Jörg Löhrs Kunden sind Manager, Spitzensportler und solche, die sich für mehr Erfolg motivieren lassen wollen

Er hat längst gefunden, wonach andere ein Leben lang vergeblich suchen: Eine Aufgabe, die ihn erfüllt, berühmt gemacht hat und zu einem erfolgreichsten Motivationstrainer Deutschlands machte: Jörg Löhr, der Augsburger Erfolgstrainer, weiß, wie er Hallen mit vielen hundert Besuchern zum Toben bringt. Er erzählt nichts Neues, doch was er den Menschen über Zielfindung und Motivation vermittelt, das lebt er selber.

"Natürlich habe auch ich Tage, an denen ich schwer aus dem Bett komme und mich überwinden muss vor der Arbeit joggen zu gehen; solche mentalen Tiefs hat jeder einmal", erzählt er, während er in seinem Porsche zum nächsten Seminar fährt. "Heute zum Beispiel habe ich bloß drei Stunden geschlafen, weil es viel zu tun gab, da bin ich auch nicht so fit". Während er dies mit ausladender Gestik und voll Tatendrang funkelnden Augen berichtet, straft er die eigene Aussage Lügen. Denn schon ist er wieder vom eigenen Feuer der Begeisterung ergriffen, das er bei seinen Seminarteilnehmern wecken möchte. "Man muss für sein Leben Verantwortung übernehmen, seine eigenen Ziele klar formulieren, sonst arbeitet man nur für die Ziele der anderen". Die eigenen Ziele hat Jörg Löhr klar formuliert und manchmal klingen sie fast etwas utopisch. "Eines abends saß ich mit meiner Frau beim Essen und sagte, ich würde gern Bill Clinton nach Augsburg holen."

Da er selbst sein bester Schüler ist, fand Löhr mit Einfallsreichtum, Engagement und viel Unterstützung seiner Mitarbeiter (die ihn alle freundschaftlich nur Jörg nennen) Mittel und Wege, den ehemaligen Präsidenten der USA in die Kongresshalle zu holen. Nach diesem Unterfangen klingt das Vorhaben fürs nächste Jahr wie ein Spaziergang: Löhr organisiert ein großes Event mit John Grey, dem Autor des Bestsellers "Männer sind anders. Frauen auch". Da sein Sommer-Schülercamp, ein Non-Profit-Projekt ein großer Erfolg ist, arbeitet Löhr nun auch an dem Vorhaben, gemeinsam mit der Unesco in Afrika eine Schule zu gründen. "Das ist eines meiner sozialen Ziele, die ich habe und verwirklichen möchte." Daneben schreibt er einen Bestseller nach dem anderen und hält über 200 Motivationsseminare im Jahr. Auf die Frage, wie Löhr, der energiegeladene Tausendsasa, da noch Zeit für seine Familie und Freunde hat, schmunzelt er: "Ich gebe zu, mir werden so viele interessante Projekte angeboten, da fällt es schwer Nein zu sagen. In solchen Fällen lasse ich meine Frau entscheiden."

Das liebste Kind des ehemaligen Handball-Nationalspielers sind noch immer seine Seminare. "Es ist ein gutes Gefühl, wenn ich merke, wie ich den Funken der Begeisterung bei den Menschen entzünden kann. Mit viel Selbstironie fügt er lachend hinzu: "Psychologen würden vielleicht sagen, der braucht das Publikum um die Seele zu streicheln."

Was es auch ist, das die eigene Motivation nie erlahmen lässt, es ist erfolgsbringend. Zweimal wurde Löhr bereits als Erfolgstrainer des Jahres ausgezeichnet. Er arbeitet mit Spitzensportlern wie Franziska von Almsick, Nationalmannschaften und namhaften Unternehmen zusammen. Eine Karriere-Story, die aus Jörg Löhr ein rentables Unternehmen gemacht hat.

Ein Erfolgsfaktor ist die eigene Glaubhaftigkeit, die verdeutlicht: Löhr lebt selber, was er in seinen Seminaren den Menschen nahe bringt. Jeder weiß eigentlich, dass nur der sein Ziel erreicht, der die eigene Komfortzone verlässt und sich mit viel Fleiß und Arbeit daran macht, es zu verwirklichen. "Schließlich kommt handeln von Hand und nicht von Maul, sonst hieß es maulen", weiß Löhr um die guten Vorsätze, bei denen es in der Regel bleibt. Der 42-Jährige schafft es hier anzusetzen und mit einem perfekten Cocktail aus Charisma, fundiertem Wissen und Witz, den er würzt mit Entertainment und Spontaneität, die Menschen in seinen Bann zu ziehen und das Feuer der Begeisterung zu wecken, das auch zum Tun führt.

"Ich selber habe keine Vorbilder, hatte dies auch nicht, als ich noch Handball gespielt habe. Denn ich denke, jeder muss für sich erst einmal seine eigenen Talente und Stärken entdecken." Wer zwanghaft versuchte jemand anders zu kopieren, würde nie eigene Spuren hinterlassen, weil er nicht authentisch sei, fährt Löhr fort. Aus diesem Grunde gibt er keine Patentlösungen, sondern bietet ein ganzes Buffet an Möglichkeiten den inneren Schweinehund zu überlisten und sich an die Verwirklichung der Ziele zu machen. Denn, betont er und blickt einen mit durchdringenden blauen Augen fast etwas schelmisch an: "Erfolgsmenschen machen nicht grundsätzlich Dinge anders, sie machen nur Grundsätzliches ein bisschen anders."

Erschienen November 2002 in der Wirtschafts-Beilage
der Augsburger Allgmeinen "Maximal"