Die Hausaufgaben macht er im Zug
Julian Wagner aus Bad Wörishofen ist bayerischer Jugendmeister im Eiskunstlauf

BAD WÖRISHOFEN. Er sieht aus wie ein ganz gewöhnlicher 15-jähriger Junge. Julian Wagner aus Bad Wörishofen gibt sich bescheiden und wenn der Gewinner der Bayerischen Jugendmeisterschaft 2001 davon erzählt, wie er zum Eiskunstlauf gekommen ist, dann tut er das, als sei sein Talent nichts außergewöhnliches.

Als ich fünf war, hatte ich eine Kindergartenfreundin, mit der ich immer zusammen war. Sie wollte diesen Schnupperkurs beim Eislaufverein Bad Wörishofen machen. Ich habe immer gemacht, was sie wollte, also bin ich mit gegangen." Die freundschaftliche Solidarität sollte sich als entscheidend herausstellen. Anfangs trainierte Julian Wagner mit den anderen in der Gruppe.

Doch rasch wurde sein Talent deutlich und die Trainerin Birgit Völsch nahm ihn im Einzelunterricht unter ihre Fittiche." Wir haben gut zusammen gearbeitet. Sie hat mir beigebracht, wie wichtig die perfekte Technik ist. Wenn man da nicht sauber arbeitet, dann kommt man nicht weit," berichtet der drahtige Junge mit der trendigen Gelfrisur. In solchen Momenten wird deutlich, wie wichtig es ihm ist im Eiskunstlauf voran zu kommen. Ein Ehrgeiz, den nicht die Eltern für den Sohn entwickeln - den besitzt er selber. Das Training machte sich bezahlt.

Im November 2001 belegte er bei den Bayerischen Jugendmeisterschaften den ersten Platz.

Die Profis wurden auf ihn aufmerksam und boten ihm an, im Leistungszentrum in München zu trainieren." Das war schon eine Ehre", sagt der Schüler und ein wenig Stolz klingt in der Stimme mit. Anfangs fuhr er einmal wöchentlich dorthin zum Training. Seit vergangenen Sommer hat sich das Pensum verfünffacht. Das bedarf eines strengen Tagesablaufs." Ich komme von der Schule heim, esse kurz was und muss dann schon los nach München, dort trainiere ich vier Stunden und bin gegen 22 Uhr daheim", erzählt Julian Wagner, als würde er sich dort einen gemütlichen Nachmittag mit Freunden machen.

Dabei handelt es sich um Knochenarbeit. Da seine Begabung für Eistanz und Eiskunstlauf gleich ist und die Begeisterung für beide Disziplinen bisher ausgewogen stark ist, absolviert er immer das doppelte Trainingspensum von täglich drei Stunden, denn er startet auch an Wettkämpfen in beiden Klassen. Dazwischen gibt es eine Stunde Konditions-, Sprungkraft- und Muskelaufbautraining.

Auf die Frage, ob die Schule nicht leidet, sagt er selbstverständlich: Die Hausaufgaben mache ich immer im Zug. Da schaltet sich Mutter Diana Wagner ein und erklärt stolz:" Um die guten Noten, die er hat, wären manch anderen froh." Trotzdem ist für sie keine Frage:" Er soll das nur so lange machen, wie er es wirklich will und es ihm Spaß macht".

Lust zum Training hat Julian Wagner eigentlich immer. "Klar ist es manchmal ein bisschen stressig, aber da gewöhnt man sich daran", sagt er lachend. Bis er sich entschieden hat, ob ihm der Eistanz mit seiner Partnerin oder der Einzellauf besser gefällt, nimmt er die Doppelbelastung auf sich. "Ich mag Elemente von beiden Disziplinen. Beim Eistanz reizt mich das Tänzerische und die Hebefiguren faszinieren mich, beim Eiskunstlauf ist es die Energie, die in der Kür durch die Sprünge entsteht", schwärmt er und die glänzenden Augen verraten: In Gedanken ist der Bad Wörishofer schon wieder auf dem Eis.

Diese Freude am Sport macht den 15-Jährigen so erfolgreich und seine Platzierungen zahlreich. Er belegte bei den bayerischen Meisterschaften letztes Jahr je den dritten Platz im Einzellauf und Eistanz. Bei den deutschen Nachwuchsmeisterschaften wurde er Vierter im Eistanz und Sechster im Paarlauf.

Wenn man ihn nach seinem Traumziel fragt, gibt sich der sympathische Junge bescheiden. Er spricht nicht von Olympischen Spielen sondern von einem Nahziel: Den Juniorenmeisterschaften. Vorher muss er sich jedoch noch auf seinen Start am nächsten Wochenende beim den deutschen Jugendmeisterschaften und dem Isar-Pokal vorbereiten.

Erschienen Mai 2003 Mindelheimer Zeitung